Safercity

Bürgerbeteiligung: Wie die Gemeinschaft zur Stadtsicherheit beiträgt

Die zunehmende aktive Einbindung von freiwilligen Bürgern und Bürgerinnen in die Sicherheits- und Ordnungspolitik soll es gelingen, die öffentliche Ordnung zu sichern und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken. Da das Polizeirecht nach dem föderalistischen Verfassungssystem von Deutschland den einzelnen Bundesländern unterliegt, gibt es entsprechend unterschiedliche Konzeptionen zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements im Bereich der inneren Sicherheit. Gleichermaßen vielfältig ausgestaltet sind die Projekte und Maßnahmen, die auf lokaler Ebene umgesetzt werden.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Förderung des sozialen Zusammenhalts und Unterstützung von Bürgerinitiativen stärken das Vertrauen in der Gemeinschaft.
  • Berücksichtigung des Sicherheitsbedürfnisses bei der Stadtteilentwicklung durch Planung neuer Wohnquartiere und gemeinschaftliche Aktivitäten.
  • Bürgerschaftliches Engagement bietet positive Partizipationsmöglichkeiten und fördert gewaltfreies Handeln.
  • Verbesserung unsicherer Räume und Vermeidung von Stigmatisierungen sind zentrale Ziele der räumlichen Planung.
  • Laienpolizeien und Bürgerstreifen erhöhen durch ihre Präsenz das Sicherheitsgefühl und unterstützen die Verkehrsüberwachung.

Vertrauensbildung und Information

Förderung des sozialen Zusammenhalts

Eine starke Gemeinschaft ist eine der wichtigsten Grundlagen für eine sichere Stadt. Durch die Förderung des sozialen Zusammenhalts und die Unterstützung von Bürgerinitiativen kann das Vertrauen unter den Bewohner:innen gestärkt werden. Vertrauen dient als Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität und ermöglicht es den Menschen, in einer komplexen Welt handlungsfähig zu bleiben.

Unterstützung von Bürgerinitiativen

Bürgerinitiativen spielen eine entscheidende Rolle bei der Stärkung des sozialen Gefüges. Sie bieten eine Plattform für gemeinschaftliches Handeln und fördern das Vertrauen unter den Mitgliedern der Gemeinschaft. Dies kann durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden:

  • Organisation von Nachbarschaftstreffen
  • Gemeinsame Projekte zur Verschönerung des Stadtteils
  • Informationsveranstaltungen zu sicherheitsrelevanten Themen

Community-Policing-Konzept

Das Community-Policing-Konzept setzt auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bürger:innen. Ziel ist es, durch regelmäßige Kommunikation und gemeinsame Aktivitäten das Sicherheitsgefühl zu erhöhen und das Vertrauen in die Sicherheitskräfte zu stärken. Ein Beispiel für erfolgreiche Maßnahmen sind:

  • Regelmäßige Bürgersprechstunden mit der Polizei
  • Gemeinsame Patrouillen in problematischen Stadtteilen
  • Workshops und Schulungen zu Präventionsthemen

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bürger:innen und Polizei ist essenziell für die Sicherheit in der Stadt.

Sicherheitsbedürfnis in der Stadtteilentwicklung

Planung neuer Wohnquartiere

Bei der Planung neuer Wohnquartiere sollte das Sicherheitsbedürfnis der Menschen im Vordergrund stehen. Neue Wohngebiete sollten nicht zu groß geplant werden, um eine bessere soziale Kontrolle und Nachbarschaftsbeziehungen zu fördern.

Rolle von Viertelagenturen

Viertelagenturen oder Quartiersvereine, die von den Kommunen finanziert werden, spielen eine wichtige Rolle. Sie sorgen dafür, dass sich die Bewohner:innen kennenlernen, gemeinsame Veranstaltungen durchführen und Urlaubsdienste übernehmen.

Gemeinsame Veranstaltungen und Urlaubsdienste

Gemeinsame Veranstaltungen stärken den sozialen Zusammenhalt und das Sicherheitsgefühl im Viertel. Urlaubsdienste, bei denen Nachbarn auf die Häuser der verreisten Bewohner:innen achten, tragen ebenfalls zur Sicherheit bei.

Sicherheit für die Bewohner:innen und Besucher:innen einer Stadt zu gewährleisten, ist eine zentrale Aufgabe für die Stadtpolitik und insbesondere für die baulich-räumliche Planung.

Bürgerschaftliches Engagement in der inneren Sicherheit

Bürgerschaftliches Engagement im Bereich der inneren Sicherheit setzt auf gewaltfreies Handeln. Dies bedeutet, dass Bürger und Bürgerinnen aktiv zur Sicherheits- und Ordnungspolitik beitragen, ohne dabei Gewalt anzuwenden. Die Kompetenz für ein solches Handeln ist in der Bevölkerung vorhanden und wird durch verschiedene Projekte gefördert.

Die Akzeptanz von Bürgerprojekten im Bereich der inneren Sicherheit ist entscheidend für deren Erfolg. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung diese Initiativen unterstützt und als positive Ergänzung zur staatlichen Sicherheitsarbeit wahrnimmt. Unterschiedliche Bundesländer haben verschiedene Konzepte entwickelt, um diese Akzeptanz zu fördern.

Bürgerschaftliches Engagement bietet zahlreiche positive Partizipationsmöglichkeiten. Bürger können sich in verschiedenen Bereichen einbringen und so zur Sicherheit ihrer Gemeinschaft beitragen. Dies stärkt nicht nur die öffentliche Ordnung, sondern auch das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung.

Durch die zunehmende aktive Einbindung von freiwilligen Bürgern und Bürgerinnen in die Sicherheits- und Ordnungspolitik soll es gelingen, die öffentliche Ordnung zu sichern und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken.

Räumliche Planung und Stadtsicherheit

Verbesserung unsicherer Räume

Die Sicherheit für die Bewohner/-innen und Besucher/-innen einer Stadt zu gewährleisten, ist eine zentrale Aufgabe für die Stadtpolitik und insbesondere für die baulich-räumliche Planung. Politik und Planung verfolgen daher das Ziel, als unsicher wahrgenommene Räume zu verbessern oder gar nicht erst entstehen zu lassen.

Vermeidung von Stigmatisierungen

Stigmatisierungen als „Angsträume“ oder „No-Go-Areas“ zu vermeiden, ist ein weiteres wichtiges Ziel. Dies kann durch gezielte bauliche Maßnahmen und eine durchdachte Stadtplanung erreicht werden.

Faktoren für räumliche Sicherheit

Das vom BMBF geförderte Verbundprojekt „Stadtsicherheit-3D“ systematisiert die Faktoren für räumliche Sicherheitswahrnehmungen in urbanen Räumen. Best Practices für baulich-räumliche Gestaltungen und digitales Planen sind dabei von zentraler Bedeutung.

Die subjektive Sicherheitswahrnehmung der Stadtbürger:innen spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewertung und Planung von Stadtsicherheitsmaßnahmen.

Laienpolizeien und Bürgerstreifen

Körperliche Präsenz

Laienpolizeien und Bürgerstreifen engagieren sich in ihrer Kommune bei Sicherheitsaufgaben, indem sie durch körperliche Präsenz das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken. Diese ehrenamtlichen Helfer sind oft nebenberuflich tätig und unterstützen die Vollzugspolizei durch einfache Ordnungstätigkeiten.

Objektschutz und Verkehrsüberwachung

Die Aufgaben der Laienpolizeien umfassen unter anderem den Objektschutz und die Unterstützung der Verkehrsüberwachung. Sie führen Streifengänge durch und tragen so zur Sicherheit in der Gemeinde bei. Hier eine Übersicht der Aufgaben:

  • Objektschutz
  • Verkehrsüberwachung
  • Streifengänge

Staatliche Initiativen

In verschiedenen Bundesländern wie Hessen, Baden-Württemberg, Berlin, Bayern und Sachsen gibt es unterschiedliche Modelle von Laienpolizeien. Diese Initiativen werden staatlich unterstützt und teilweise finanziert. Sie basieren auf dem Community-Policing-Konzept, das die aktive Einbindung von Bürgern in die Sicherheits- und Ordnungspolitik fördert.

Die staatlichen Initiativen zielen darauf ab, die Arbeit der Vollzugspolizei zu entlasten und dennoch eine erhöhte Polizeipräsenz sicherzustellen.

Fraktionsübergreifendes Handeln der Politik

Fraktionsübergreifendes Handeln der Politik ist entscheidend für das Wohle der Stadt und ihrer Einwohnerschaft. Es ermöglicht eine kohärente und nachhaltige Stadtentwicklung, die den Bedürfnissen aller Bürger gerecht wird. Dabei sollten politische Akteure stets das Gemeinwohl im Blick behalten und parteiübergreifend zusammenarbeiten.

Bürgernähe und Transparenz sind wesentliche Elemente, um das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik zu stärken. Durch regelmäßige Informationsveranstaltungen und offene Dialoge können Bürger besser in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Dies fördert nicht nur die Akzeptanz politischer Maßnahmen, sondern auch die aktive Beteiligung der Bürger.

Politische Entscheidungen senden wichtige Signale an alle beteiligten Akteure. Diese Signale sollten klar und eindeutig sein, um Missverständnisse zu vermeiden und eine reibungslose Umsetzung politischer Maßnahmen zu gewährleisten. Eine transparente Kommunikation und klare Zielsetzungen sind hierbei unerlässlich.

Fraktionsübergreifendes Handeln der Politik kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle Beteiligten bereit sind, Kompromisse einzugehen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Dynamischer Sicherheitsbegriff

Der Sicherheitsbegriff ist nicht statisch, sondern dynamisch und wandelbar. Er konstituiert sich in einem Verhältnis von tatsächlichen Gefährdungen, deren subjektiver Interpretation und den institutionellen Arrangements zur Bewältigung beider im sozialen Zusammenhang. Diese Dynamik erfordert eine kontinuierliche Anpassung und Reflexion der Sicherheitsstrategien.

Institutionelle Arrangements spielen eine zentrale Rolle bei der Gewährleistung von Sicherheit. Sie müssen flexibel und anpassungsfähig sein, um den sich verändernden Gefährdungen und deren Wahrnehmung gerecht zu werden. Dies umfasst sowohl formelle Strukturen wie Polizei und Sicherheitsbehörden als auch informelle Netzwerke und bürgerschaftliches Engagement.

Die Verbindung gemeinschaftlicher Handlungszusammenhänge mit der Sicherheitsgewährleistung lässt sich über das Element des bürgerschaftlichen Engagements als spezieller Ausdruck von Sicherheit interpretieren. Bürgerschaftliches Engagement trägt wesentlich zur Schaffung eines sicheren Umfelds bei, indem es soziale Kontrolle und Unterstützung innerhalb der Gemeinschaft fördert.

Ein dynamischer Sicherheitsbegriff erfordert die aktive Beteiligung aller Akteure und die kontinuierliche Anpassung an neue Herausforderungen.

Fazit

Die zunehmende aktive Einbindung von freiwilligen Bürgern und Bürgerinnen in die Sicherheits- und Ordnungspolitik trägt maßgeblich zur öffentlichen Ordnung und zum Sicherheitsgefühl der Bevölkerung bei. Durch die Förderung des sozialen Zusammenhalts und die Unterstützung von Bürgerinitiativen wird das Vertrauen unter den Bewohner:innen gestärkt. Verschiedene Projekte und Konzepte, wie das Community-Policing, zeigen, dass bürgerschaftliches Engagement eine positive Partizipationsmöglichkeit darstellt und zur Gewährleistung innerer Sicherheit beiträgt. Unabhängig von der spezifischen Ausgestaltung der Länderprojekte ist die Kompetenz für gewaltfreies, bürgerschaftliches Handeln vorhanden und wird durch gemeinschaftliche Anstrengungen weiter gestärkt. Letztlich ist die Sicherheit der Bewohner:innen und Besucher:innen einer Stadt eine zentrale Aufgabe, die durch die Zusammenarbeit von Politik, Planung und Bürgern erfolgreich bewältigt werden kann.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Community-Policing-Konzept?

Das Community-Policing-Konzept basiert auf der Idee, Bürger aktiv in die polizeiliche Arbeit zu integrieren, um die öffentliche Ordnung zu sichern und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken. Es hat seinen Ursprung in den 1980er Jahren in amerikanischen Großstädten.

Wie können Bürgerinitiativen zur Stadtsicherheit beitragen?

Bürgerinitiativen fördern den sozialen Zusammenhalt und stärken das Vertrauen unter den Bewohnern. Durch gemeinsame Aktionen und Projekte können sie aktiv zur Verbesserung der Stadtsicherheit beitragen.

Welche Rolle spielen Viertelagenturen in der Stadtteilentwicklung?

Viertelagenturen oder Quartiersvereine, die von den Kommunen finanziert werden, sorgen dafür, dass sich die Bewohner kennenlernen, gemeinsame Veranstaltungen durchführen und Urlaubsdienste übernehmen. Sie tragen somit zur Sicherheit und zum sozialen Zusammenhalt in neuen Wohnquartieren bei.

Was versteht man unter Laienpolizeien und Bürgerstreifen?

Laienpolizeien und Bürgerstreifen sind staatlich initiierte und zum Teil begleitete Bürgerhelfer, die durch körperliche Präsenz das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken. Ihre Aufgaben umfassen einfache Ordnungstätigkeiten wie Objektschutz und Unterstützung der Verkehrsüberwachung.

Wie kann die räumliche Planung zur Stadtsicherheit beitragen?

Die räumliche Planung zielt darauf ab, als unsicher wahrgenommene Räume zu verbessern oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Durch gezielte bauliche Maßnahmen können Stigmatisierungen als „Angsträume“ oder „No-Go-Areas“ vermieden werden.

Was bedeutet ein dynamischer Sicherheitsbegriff?

Ein dynamischer Sicherheitsbegriff bedeutet, dass sich Sicherheit immer in einem wandelbaren Verhältnis von tatsächlichen Gefährdungen, deren subjektiver Interpretation und den institutionellen Arrangements zur Bewältigung beider im sozialen Zusammenhang konstituiert.