Sicherheitsunternehmen fotografiert DrogenszenePresseerklärung
der Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer PolizistInnen
(Hamburger Signal) e.V.
- http://www.kritische-polizisten.de
-
und
SAFERCITY
(www.safercity.de)
Kassel, 12.3.2001
Sicherheitsunternehmen fotografiert Drogenszene
Im Oktober 2000 fiel in Kassel das Sicherheitsunternehmen Protex auf, weil
dessen Angestellte aggressiv gegen Trinker und Drogenkonsumenten vorgingen
(siehe
Presseerklärung, 10.10.2000: http://www.safercity.de/2000/pe_16102000.html).
Neben den
Bemühungen diese Menschen aus der Königsstrasse (Einkaufsstrasse)
zu vertreiben, setzte die Protex-Security dabei auch einen Fotoapparat ein und
fotografierte Personen gegen deren Willen.
Da die Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten (Hamburger
Signal) e.V., hier u.a. die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen verletzt
sah, reichten wir am 18.11.2000 eine Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde
für den Datenschutz im nicht-öffentlichen Bereich (Regierungspräsidium
Kassel) ein. Die Protex von der Aufsichtsbehörde um Stellungnahme zum Sachverhalt
gebeten antwortete mit Schreiben vom 05.03.2001 folgendes:
(...) Die von uns im Auftrag der Neuen City e.V. gefertigten Fotos wurden Herrn
M. übergeben. Laut Herrn M. sind diese mittlerweile wieder vernichtet worden.
In unserem Besitz befinden sich keine weiteren Fotos. Hintergrund der Aktion
war ein Gesamteindruck der Szene in der unteren Königsstr.
zu dokumentieren, daher wurden auch lediglich Gruppen und keine Einzelpersonen
aufgenommen. (...)
Auf Grundlage der Stellungnahme des Sicherheitsunternehmens kommt die Sachbearbeiterin
der Aufsichtsbehörde im Schreiben vom 08.03.2001 an uns zu folgendem Ergebnis:
(...) ...mir liegt jetzt die Stellungnahme des Protex Sicherheitsdienstes vor.
Ich habe sie für Sie in Kopie beigefügt. Danach ergibt sich für
die von Ihnen vorgebrachte Frage der Zulässigkeit des Fotografierens von
Personen ohne deren Erlaubnis nicht meine Zuständigkeit. Als Aufsichtsbehörde
für den Datenschutz im nicht-öffentlichen Bereich habe ich die Ausführung
des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) zu überprüfen. Anwendung findet
das Bundesdatenschutzgesetz bei nicht-öffentlichen Stellen wie z.B. dem
Protex Sicherheitsdienst gemäß § 27 BDSG nur, soweit personenbezogene
Daten in oder aus Dateien ... verarbeite oder genutzt werden. Wie das Unternehmen
in seiner Stellungnahme angibt, wurden lediglich Gruppen und keine Einzelpersonen
aufgenommen. Daher ist es zweifelhaft, ob personenbezogene oder auf einzelne
Personen beziehbare Daten vorliegen. Die gemachten Fotos wurden auch nicht in
eine Datei übernommen und sind nach ergänzenden telefonischen Auskünften
auch nicht in digitalen Aufnahmeverfahren entstanden. Es ist daher kein gesetzlich
geforderter Bezug zu einer Datei zu erkennen. Somit liegen die Voraussetzungen
für eine Anwendung des BDSG nicht vor. Eine Überprüfung der Zulässigkeit
des Fotografierens von Personen ohne deren Erlaubnis steht mir daher nicht zu.
(...)
Auch wenn das Regierungspräsidium zum Ergebnis kommt, dass im vorliegenden Fall keine Verstösse nach dem BDSG erkennbar sind, so bleibt doch ein schaler Beigeschmack. Die Aussage der Protex, in ihrem Besitz befänden sich keine weiteren Fotos kann niemand nachprüfen. Kein Wort in ihrer Stellungnahme über den Verbleib der Negative. Die Tatsache, dass der Ermittlungsarm (City-Detektive) der Protex, z.B. aufgrund von Diebstahlsanzeigen, eine intensive Beziehung zur Kasseler Polizei pflegt, macht diese Angelegenheit nicht leichter verdaulich.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Frage nach dem Sinn und Zweck der Szene-Aufnahmen im Auftrag der Neuen City e.V. fast schon nebensächlich. Nun kann die Protex - ganz legal - ihre Dienstleistungspalette, welche z.B. Fahndung nach Fahrzeugen und sonstigen Sachgütern, Einsatz verdeckter Videotechnik, Zeugenermittlung, Weltweite Schuldnersuche und Personensuche umfasst auch noch um den polizeilichen Begriff BeDo-Trupp (Beweis- und Dokumentationstrupp) erweitern. Künftig können dann Kasseler Sicherheits- und Ordnungsbehörden noch stärker vom Ermittlungsgehilfen Protex profitieren.
Weitere Informationen zum Thema:
http://www.safercity.de/2000/erklaerung.html
http://www.safercity.de/1998.05.07-08.html
http://www.safercity.de/1999/streifblick.html
V.i.S.d.P.: Thomas Brunst, Vorstandsmitglied der
Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten
(Hamburger Signal) e.V., Red. SAFERCITY; Sommerweg 13a, 34125 Kassel,
Email: thomas.brunst@safercity.de
online seit: 13. März 2001 | Feedback