safer city Fortsetzung: Augen der Macht - Teil 2

Ein allgemeiner Überblick über Videoüberwachung in KASSEL -
mit ausführlichem Fotobericht!


von Thomas Brunst und Tilman Boller, (Juli / November 1999)

 

Die Augen des Königs

Vergleichen wir die führenden beiden Kasseler Konsumtempel, Königs- (Kö) und Kurfürstengalerie: Während in der Kurfürstengalerie keine Kameras installiert sind (nur an den beschrankten Ein-/Ausfahrten der Parkgarage) und der Sicherheitsdienst der Kasseler Wach- und Schliessgesellschaft hier eher unauffällig seiner Aufsichtspflicht nachgeht, sieht das in der Kö anders aus. Videokameras an allen Eingängen, an allen Parkhauseingängen und -zufahrten sowie über einem Versorgungstor sind erkennbar.


Videokameras über dem Haupteingang der 'Königsgalerie'
Illegal? Die 'Kö'-Videokamera am Versorgungstor zielt auf die Passanten!


Geschätzte 15, teilweise bewegliche Kameras mit Zoom versorgen einen eigenen Kontrollraum mit scharfen Bildern von innerhalb und ausserhalb der Galerie. Ein ehemaliger Sicherheitsangestellter der Kö hat sich einmal darüber beklagt: "dass die Qualität der Kamerabilder so gut ist, dass du zum Galeriemanagement zitiert wirst, wenn die Krawatte nicht richtig sitzt." Eine besondere Aufmerksamkeit geniesst jenes Auge, welches im Parkhauszugang auf dem Friedrichsplatz (gegenüber des Haupteingangs) installiert ist. Im Gegensatz zu den zwei weiteren Direktzugängen zum Parkhaus (Nordwestecke des Friedrichsplatz und beim Staatstheater) ist diese Kamera höhen- bzw. tiefenverstellbar und um 360 Grad drehbar. Sie kann aufgrund ihrer zentralen Lage und wegen der Glaswand-Architektur den freien Blick auf jeden Punkt des Platzes (öffentlicher Raum) sowie auf den Haupteingangsbereich der Kö richten. An den beiden anderen Standorten sind die Kameras stationär auf die Kassenautomaten der Parkanlage gerichtet.


Absichtlich? Eine von der 'Kö'-Galerie aus 360° fern-schwenkbare Videokamera im Parkhauszugang auf dem Friedrichsplatz! Wer ist Nutznießer dieser Aufnahmen?!


Fest arretierte Überwachungskamera im 2. Eingang zum Parkhaus auf dem Friedrichsplatz


Diese bewegliche Kamera hatte in der Vergangenheit auch jenen Personenkreis (offene Drogenszene) im Visier, der durch den neuen Biergarten heimatlos gemacht wurde. Der in FBI-Manier (Sakko und Ohrhörer) auftretende zivile Sicherheitsdienst der Kö ist die Firma Kurth und Franz. Deren Mitarbeiter werden aus der Monitorzentrale des Hauses ständig mit aktuellen Lageinformationen und Erkenntnissen aus der Videoüberwachung per Funk versorgt. Dieser Sicherheitsdienst ist zudem angehalten, eigene Erkenntnisse über die Vorgänge vor den Eingängen weiterzuleiten. Zur Erinnerung: 1998 rügte der Hessische Datenschutzbeauftragte die Zusammenarbeit zwischen der Kasseler Polizei und dem Sicherheitsdienst der Königsgalerie. Unrechtmässige Hausverbote wurden erteilt, Personaldaten an den Sicherheitsdienst weitergegeben - in unzulässiger Weise, wie der Datenschutzbeauftragte feststellte. Betroffen waren fast ausschliesslich Personen aus Randgruppen (Frankfurter Rundschau 20.02.1998)


Fortsetzung: Augen der Macht - Teil 2


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