safer city Augen der Macht - Teil 2

Ein Überblick über Videoüberwachung in KASSEL -
mit ausführlichem Fotobericht!


von Thomas Brunst und Tilman Boller, (Juli / November 1999)

Bisher sind wir allgemein auf das Thema Videoüberwachung eingegangen. Dieser Teil soll die Entwicklung dieser umstrittenen Überwachungstechnik am Beispiel der Stadt Kassel aufzeigen.

Vorab: In kaum einem anderen Bereich der Innenpolitik gibt es derzeit so viele Bemühungen wie in der Sicherheitsfrage. Schlagworte wie z.B. Schleierfahndung, freiwillige Polizeireserven, Ausweitung des Vorbeugegewahrsam, private Gefängnisse, Sicherheitspartnerschaften bzw. -kooperationen, Videoüberwachung usw. sind nicht nur in Hessen, sondern auch bundesweit und ausserhalb von Wahlzeiten ein ständiges Thema. Nicht beim Abbau von Arbeitslosigkeit bewegt sich hierzulande etwas, sondern beim Abbau von Grund- und Bürgerrechten, obwohl die Kriminalitätsstatistik landesweit zurückgeht.

Arbeitslosigkeit steht nach Meinung vieler KriminologInnen und SoziologInnen in direktem Zusammenhang mit sozialem (Un-) Frieden. Der soziale (Un-)Frieden soll wiederum massgeblich mitverantwortlich für die allgemeine Kriminalitätslage sein.
GraffitisünderInnen sollen härter bestraft werden; die Herabsetzung der Strafmündigkeit von 14 auf 12 Jahre wird von der Deutschen Polizei Gewerkschaft gefordert. Neue Gesetze und Konzepte im Deliktsbereich Wirtschaftskriminalität sind aber nicht in Sicht. Für unsere PolitikerInnen scheint diese im Gegensatz zur Strassenkriminalität kein Thema zu sein, obwohl der dadurch verursachte volkswirtschaftliche Schaden (z.B. Steuer-, Anlage-, und Subventionsbetrug) jährlich mindestens 200 Mrd. DM beträgt.

In Verbindung mit Kasseler Banken waren seit Bekanntwerden ca. 13.600 Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Beihilfe (Geldtransfer nach Luxemburg und in die Schweitz) dazu anhängig (Der Spiegel 41/99).


Die "versteckte Kamera"

Die Ausstellung "baustop.randstadt" an der Kasseler Universität (Fachbereich Stadtplanung) im Mai dieses Jahres beschäftigte sich mit der Kommerzialisierung von Innenstädten und der damit verbundenen Vertreibungspolitik. Im Rahmen dieser Ausstellung wurde der Stadtrundgang "versteckte Kamera" angeboten. Ziel war, die einzelnen Standorte von Überwachungskameras aufzuzeigen, die technischen Möglichkeiten zu erläutern und die Beobachtungsfelder zu erklären.

Bereits auf dem Universitätsgelände (Holländischer Platz) wurden die TeilnehmerInnen fündig. Nicht etwa die Universität überwacht hier, sondern die Kasseler Sparkasse behält einen frei zugänglichen Geldautomaten und das Umfeld auf dem Campus im Auge. Erst seit diesem Jahr sind Hinweise (Aufkleber) an den Geldautomaten der Kasseler Sparkassen angebracht, die auf die aufzeichnende Kamera hinweisen. Dies ist längst nicht an allen Geldautomaten Standart. Durch die nach aussen gerichtete Sicherheitstechnik erwecken unsere Banken den Eindruck, dass Kriminalität in Verbindung mit ihnen stets nur eine Einbahnstrasse sei und sie nur als Opfer von Betrug und Überfällen in der Statistik auftauchten.


Hinweis:
Grössere Fotos durch Anklicken der Bilder!


Kameraüberwachter Geldautomat auf dem GhK-Gelände (HoPla - fast alle Geldautomaten werde so überwacht)
Roter Warnhinweis 'Videoüberwachung' Die eigentliche Videokamera...

In den Datenschutz Nachrichten (Deutsche Vereinigung für Datenschutz e.V.) 1/99 war zu lesen, dass es in deutschen Banken erste Experimente gibt, in den Räumen von Geldautomaten zusätzlich zur Videoüberwachung auch das gesprochene Wort aufzuzeichnen. Kaum war das Universitätsgelände in Richtung Stern verlassen, löste eine Kamera zur Verkehrsüberwachung am Holländischen Platz Erstaunen aus. Diese in ca. 5 m Höhe an ein-em Laternenmast angebrachte Kamera ist zwar schon viele Jahre in Betrieb, wird aber von den meisten Menschen "unter"-sehen. Kreuzungsbereiche wie z.B. am Altmarkt, am Auestadion, am Ständeplatz und an der Lutherkirche werden ebenfalls überwacht.

Bereits heute besteht die Möglichkeit, ältere Anlagen zur Verkehrsüberwachung mit PC- und Softwaretechnik so zu "tunen", sodass eine rechnergesteuerte KFZ-Kennzeichenerkennung möglich ist. Im Eurotunnel unter dem Ärmelkanal werden sämtliche Kfz-Kennzeichen von Videoanlagen erfasst und selbständig durch PCs mit den britischen Polizeidatenbeständen nach gesuchten Personen und Fahrzeugen abgeglichen. Dasselbe geschieht an acht Londoner Verkehrsschwerpunkten: Hier werden täglich über 100.000 Kfz kontrolliert.


Verkehrsüberwachung am Holländischen Platz (Kassel)

Nach der Renovierung der Kasseler Hauptpost sind die KundInnen nun auch hier dem aufzeichnenden Blick ausgeliefert. Acht Videokameras sehen in jeden Winkel der neuen Schalterhalle.

Nun ging es direkt in die City. Die Kaufhäuser auf der Königsstrasse haben unterschiedliche Sicherheitskonzepte. Während Galeria Kaufhof und Woolworth u.a. auf Kameraeinsatz nicht verzichten, sehen Leffers, Kaufhof Sport (ehem. Kaufhalle) und Karstadt hiervon ab. Bei Videoüberwachung von Kaufhäusern fällt folgendes auf: In der Galeria Kaufhof hängen z.B. die Kameras - als solche erkennbar - unscheinbar halbkugelförmig unter der Decke. Nicht so bei Woolworth. Durch auffällig bunte, blinkende Kamerasysteme (teilweise Attrappen) wollen die BetreiberInnen die Verkaufsraumüberwachung ins Bewusstsein der KundInnen rücken, um so potentielle DiebInnen abzuschrecken. Dies soll laut Kriminalitätsforschung - in einzelnen Bereichen - bis zu 75% Kriminalitätsrückgang bewirken.

Neben den elektronischen Ausgangsschleusen (Warendetektoren) werden alle Kaufhäuser von DetektivInnen bestreift. Zusätzlich lassen sich Galeria Kaufhof und Kaufhof Sport noch vom uniformierten Sicherheitsdienst der Firma PROTEX schützen. Die Firma PROTEX, die auch den öffentlichen Raum (Königsstrasse und Seitenarme) bestreift, und die Kasseler CITY-DetektiveInnen gehören zum Sicherheitsunternehmen Engin Agbag. Die PROTEX-SECURITY fällt immer wieder dadurch auf, dass sie widerrechtlich ihre eigenen Ordnungsvorstellungen auf der Königsstrasse (Einkaufsstrasse) verwirklichen möchten. Bereits im Sommer 1997 stellten Vertreter der Kasseler Polizei in diesem Zusammenhang auf einer Veranstaltung zur Sicherheitslage in der Stadt Kassel klar, dass es keinem privaten Sicherheitsdienst gestattet ist, im öffentlichen Raum gegen BettlerInnen, TrinkerInnen und Drogenabhängige vorzugehen.


Zufall? Zwei Sicherheitsunternehmen (darunter ein Kriminalbeamter a.D.) sitzen im gleichen Gebäude - Königsstr. 46


Genau dies macht die PROTEX-SECURITY aber bis heute. Ferner ist nicht auszuschliessen, dass bei der "Sicherheitsverwaltung" der Königsstrasse durch die PROTEX-SECURITY auch auf Videoaufzeichnungen - vor allem in Verbindung mit flüchtigen DiebInnen im Rahmen "privater Fahndungen" - zurückgegriffen wird. CITY-DetektivInnen sitzen bekanntlich mit an den Kontrollmonitoren ihrer AuftraggeberInnen. Die Firma PROTEX bietet auf Ihrer Internetseite (www.protex.de) u.a. die Möglichkeit des Einsatzes verdeckter Videoüberwachung als Dienstleistung an.


Stellenanzeige (Arbeitsamt) des "Sicherheitsdienstes" der 'Königsgalerie'

 

Fortsetzung: Augen der Macht - Teil 2


safer city

online seit: 4. Dezember1999 | Feedback