Presseerklärung zur Zusammenarbeit zwischen Polizei und WirtschaftBundesarbeitsgemeinschaft Kritischer PolizistInnen (Hamburger Signal) e.V.
und
SAFERCITY (www.safercity.de)
Kassel, 28.12.1999
Presseerklärung zur Zusammenarbeit zwischen Polizei und Wirtschaft
IHK und Polizei kommen sich näher - wer gibt den Ton an?
Hessen erlebt bei sinkender Kriminalitätsrate derzeit viele sicherheits- und
ordnungspolitische Veränderungen (z.B. Schleierfahndung, freiwillige Polizeireserve
und Ausweitung des Vorbeugegewahrsams sind in Vorbereitung) - leider zu Lasten
von Bürgerrechten.
So kommt es dann auch, dass im kommunalen Bereich Dinge eingeführt werden, die
in vielen anderen Städten und Gemeinden ausserhalb der hessischen Landesgrenzen
undenkbar wären.
In Hessen gibt es neben dem Frankfurter Kooperationsvertrag zwischen der Polizei
und privaten Sicherheitsdiensten, in Stadtallendorf einen von Geschäftsleuten
und der Stadt beauftragten Sicherheitsdienst, der in der Innenstadt für Ordnung
sorgen soll. Ganz offen ist zu lesen, dass die Vertreibung von Randgruppen nur
ein positiver Punkt ist, der den Mitarbeitern von Security-Fox gelingt.
In Münster und Kiel gab es gegen solche Pläne massiven Wiederstand, teilweise
bis in CDU-Reihen. In Niedersachsen äusserte das Innenministerium Rechtsbedenken
gegen gleichgelagerte Pläne der Stadt Northeim.
Vermutlich weil im nordhessischen Kassel die PROTEX-SECURITY auch ohne städtischen Auftrag die Königsstrasse „clean“ hält, fordert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel eine stärkere Zusammenarbeit mit der Polizei. So ist im IHK-Blatt „Wirtschaft Nordhessen“ (WN) folgendes zu lesen: „In diesen Kontext gehört auch die Neupositionierung der Polizei in ihren Verhältnis zu privaten Sicherheitsunternehmen. Der Abschluss eines entsprechenden Kooperationsvertrages in Frankfurt setzt diesbezüglich ein deutliches Signal. Längst ist die innere Sicherherheit auch als Standortfaktor anerkannt, so dass sich bereits aus diesem Aspekt heraus schon fast ein Gebot zu einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Polizei und Wirtschaft ergibt.“ Die IHK Kassel folgte in diesem Zusammenhang Anfang November ‘99 gerne einer Einladung der Marburger Polizeidirektion.
Auch in Hamburg macht die Handelskammer der Polizei Vorschläge wie sie besser
und effektiver ihre Arbeit verrichten kann. City-Manager Henning Albers forderte
zudem Bettler und Obdachlose aus der Hamburger Innenstadt zu verbannen, eine
"Innenstadtverordnung" sollte Abhilfe schaffen.
In der WN heisst es beispielsweise: „Polizei und Wirtschaft sehen sich seit
einigen Jahren mit dramatischen Veränderungen der gesellschaftspolitischen und
wirtschaftspolitischen Rahmendaten konfrontiert, die einen erheblichen Reformdruck
erzeugt haben.“
Mit Sicherheit sind hiermit nicht die ca. 13600 Fälle von Steuerhinterziehung
und Beihilfe in den letzten zwei Jahren gemeint, die hauptsächlich im Bereich
von Kasseler Sparkassen und Genossenschaftsbanken angesidelt sind. Mehrere Kreistagsmitglieder
mussten wegen dieser Affäre ihr Amt niederlegen.
Leider bleibt zu befürchten, dass im Rahmen des Standortwettbewerbes der Städte
im nächsten Jahrtausend die Freiheitsrechte der Menschen - und im Besonderen
der Datenschutz - weiter eingeschränkt werden.
(Quellen: Wirtschaft Nordhessen 12/99, Standpunktpapier der Handelskammer Hamburg, www.hamburg.ihk.de/share/htmlkammerpos/pressemeldungen/prn-99-10-12.htm)
V.i.S.d.P.: Thomas Brunst, Vorstandsmitglied BAG Krit. Pol. und Redaktion SAFERCITY,
Sommerweg 13A, 34125 Kassel, Tel./Fax: 0561/5790618, Email: thomas.brunst@safercity.de
online seit: 31. Dezember 1999 | Feedback